Marienweg

Mary's Way marking
Esterházy Madonna
Jungfrau Maria

Für die Heilige Maria war weder das Reisen noch die Kontemplation unbekannt. Nach der Engelsbotschaft bricht sie auf, um ihre ältere Verwandte Elisabeth in Hebron zu treffen. Dem Befehl der Volkszählung gehorchend, geht sie später mit ihrem Ehemann Josef nach Betlehem, wo sie ihr Kind Jesus Christus zur Welt bringt. Dann, den Zorn von Herodes fürchtend, fliehen sie nach Ägypten, um endlich nach Nazareth zurückzukehren. Die Evangelien berichten über eine der Pilgerfahrten nach Jerusalem: Josef und Maria merken auf dem Nachhauseweg, dass ihr Sohn zurückgeblieben ist. Sie kehren eilig und besorgt in den Tempel zurück, wo sie erstaunt zusehen, wie sich der zwölfjährige Jesus mit den Weisen des Tempels unterhält. Sie ist auch bei der dreijährigen Lehrreise Jesu dabei (z.B. bei der ersten Wundertat Jesu, der Hochzeit zu Kana, oder später, unter den auf den Heiligen Geist wartenden Aposteln.

Ihre Person ist für uns Ungarn auch schon deshalb bedeutend, weil im Jahre 1038 unser staatsgründender König Stephan der Heilige im Angesicht seines bevorstehenden Todes das Ungarische Königreich der Heiligen Jungfrau empfahl: so wurde Maria (zusammen mit Sankt Martin von Tours) Schutzheilige und zugleich Patronin des Landes, patrona patriae.

 

Kalvarienberg bei Bakonybél
Der Weg

Nach dem Muster des Jakobswegs (Camino de Santiago) wollten die Erträumer des Marienweges einen Pilgerweg schaffen, der durch die Verknüpfung der Marienwallfahrtsorten vor allem die Völker von Mitteleuropa verbinden sollte.

So nahm ab 2006 der Ausbau des Marienweges zwischen Mariazell in Österreich und Csíksomlyó (Şumuleu Ciuc, Rumänien) seinen Anfang. Dieser 1350 km lange Weg wurde schon vollständig errichtet und ist nach seinem charakteristischen lilafarbenen M-Touristenzeichen gut erkennbar. Zurzeit läuft der Ausbau des 1450 km langen nord-südlichen Marienweges, der ebenfalls zwei herausragende Wallfahrtsorten, Częstochowa in Polen und Međugorje in Bosnien-Herzegowina verbinden soll.

-Die beiden Pilgerwege sind für alle offen, sie sollen den zu Besuch kommenden Pilgern aber schon wegen ihrer besonderen Eigenart die christlichen Traditionen Mitteleuropas, beziehungsweise die Kultur der hier Lebenden zeigen. Die mittlere, etwa 750 km lange Strecke der west-östlichen Route führt durch Ungarn. Der Pilgerweg von Ungarn hat also die Besonderheit, dass er, obwohl auf ungarische Initiative gebaut, keines der Endstationen auf dem Landesgebiet hat.

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Sonnenblumen
Die Landschaft

Der ungarische Marienweg verbindet den westlichen (Kőszeg/Güns) und den östlichen (Bátorliget) Rand des Landes in einer Gesamtlänge von etwa 750 km. Der Weg bietet dem Reisenden eine hervorragende Möglichkeit, nicht nur die christlichen Wallfahrtsorten und die religiösen Traditionen der Landschaft, sondern auch die natürliche Umwelt, die kulturelle Vielfältigkeit und die architektonischen Denkmäler Ungarns kennen zu lernen.

Der Pilger kann sich unterwegs in angenehmen Bädern erfrischen (Bük, Sárvár, Egerszalók), berühmte Marienwallfahrtsorten aufsuchen (Celldömölk, Máriabesnyő, Mátraverebély-Szentkút, Máriapócs), und unter anderem die auch heute tätigen Benediktiner-, Zisterzienser-, Franziskaner- und Salesianerorden kennen lernen, wildromantische Landschaften durchqueren (Ördög-Grube, Gaja-Schlucht, Maria-Schlund) und sich in den Zellen der einst hier lebenden Kamaldulenser Eremiten ausruhen.

Und man kann inzwischen einige bunte Mosaikstücke der ungarischen Geschichte kennen lernen (Tata, Esztergom/Gran, Eger/Erlau), sich an den aus dichten Wäldern plötzlich auftauchenden Burgen ergötzen (Csesznek, Csókakő, Drégelyvár), oder im kühlen Schatten der ihren ehemaligen Glanz bewahrenden Kirchen sich an den Alltag von entfernten Jahrhunderten erinnern (Zsámbék, Nyírbátor). Und dies alles wird durch die heimischen Landschaftsspezialitäten und die mit Recht berühmten ungarischen Weine unvergesslich gemacht.

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